Coaching-Case:

Präsenz zeigen, ohne ständig verfügbar zu sein

Ein Praxisbeispiel aus dem Coaching in Führungsfragen. Name und Branche sind verändert. Der Fall ist anonymisiert und verdichtet.

Ausgangssituation

Markus hatte vor wenigen Monaten eine neue Führungsrolle übernommen. Zehn Mitarbeitende berichteten direkt an ihn, insgesamt trug er Verantwortung für einen Bereich mit rund 100 Personen.

Vor seiner Zeit wurde der Bereich eher aus der Distanz geführt. Vieles lief über E-Mail oder Teams, persönliche Präsenz vor Ort war selten. Markus wollte es anders machen: nahbarer, verbindlicher und sichtbarer.

Das kam gut an. Seine Tür stand offen, Rückfragen wurden schnell geklärt, Nachrichten zeitnah beantwortet. Für die Mitarbeitenden war er deutlich greifbarer als sein Vorgänger.

Nur für Markus selbst wurde genau das zunehmend zur Belastung.

Die Zeit, die er eigentlich für Fokus, Priorisierung und strategische Themen eingeplant hatte, verschwand immer wieder im Tagesgeschäft. Am Ende vieler Tage hatte er viel reagiert, aber zu wenig gestaltet.

Anliegen im Coaching

Markus kam mit einer Frage ins Coaching:

Warum gebe ich meine Fokuszeit immer wieder auf, obwohl ich weiß, wie wichtig sie für meine Rolle ist?

Schnell wurde deutlich: Es ging nicht um Kalenderdisziplin oder klassische Zeitmanagement-Tipps. Die kannte er bereits.

Die eigentliche Frage war:

Was passiert in mir, wenn andere etwas von mir brauchen – und warum gebe ich meine eigene Führungszeit dann so schnell frei?

Der Wendepunkt

Im Coaching beschrieb Markus eine typische Situation aus seinem Alltag. Er hatte sich Zeit geblockt, um über ein strategisches Thema nachzudenken. Dann stand jemand kurz in der Tür, stellte eine Frage, und sofort war der innere Impuls da:

„Das mache ich eben schnell.“
Dieser Satz wurde zum Schlüssel.

Denn dahinter steckte nicht nur Hilfsbereitschaft. Markus wollte zeigen: Ich bin da. Ich bin erreichbar. Ich lasse mein Team nicht allein. Gleichzeitig erkannte er, dass genau dieses Verhalten ein neues Muster erzeugte. Je schneller er reagierte, desto stärker wurde er zur zentralen Anlaufstelle für alles.

Aus Präsenz wurde permanente Verfügbarkeit.

The Erkenntnis

Im Gespräch entstand für Markus ein wichtiger Unterschied:

Präsent führen heißt nicht, immer sofort verfügbar zu sein.

Das veränderte seinen Blick auf seine Fokuszeit.

Diese Fokuszeit war keine Lücke im Kalender. Sie war Zeit für Überblick, Priorisierung und Entscheidungen, die im Tagesgeschäft sonst zu kurz kommen.

Markus formulierte für sich:

„Fokuszeit ist Führungszeit.“

Diese Erkenntnis half ihm, seine Rolle anders zu sehen. Es ging nicht darum, weniger ansprechbar zu sein. Es ging darum, bewusster zu entscheiden, wann seine direkte Unterstützung wirklich gebraucht wird – und wann Verantwortung im Team bleiben kann.

Gerade in neuen Führungsrollen liegt darin oft eine Herausforderung: präsent zu sein, ohne für alles zuständig zu werden.

Der nächste Schritt

Markus entwickelte für seinen Alltag ein einfaches Warnsignal.

Immer dann, wenn der Gedanke auftaucht:

„Das mache ich eben schnell.“

will er kurz innehalten und prüfen:

  • Ist das wirklich dringend?
  • Braucht es jetzt meine Entscheidung?
  • Oder kann ich mit einer Frage Verantwortung zurückgeben?

Zusätzlich änderte er seinen Kalendereintrag. Aus einem eher allgemeinen Block wurde:

„Fokuszeit – Führung & Prioritäten“

Damit wurde der Termin klarer. Nicht für andere, sondern vor allem für ihn selbst.

Ergebnis

Am Ende des Coachings war Markus klarer, dass sein eigentliches Thema nicht fehlende Zeit war. Es ging um ein Führungsmuster: präsent, hilfreich und verlässlich sein zu wollen – und dabei zu schnell in ständige Verfügbarkeit zu rutschen.

Sein neuer Bezugspunkt lautete:

Ich darf präsent führen, ohne permanent verfügbar zu sein.

Das gab ihm mehr innere Klarheit für den Alltag. Nicht als starre Regel, sondern als Orientierung in den vielen kleinen Momenten, in denen Führung tatsächlich stattfindet.

Mehr Klarheit
in der Führungsrolle?

Im Coaching arbeiten wir genau an solchen Mustern – konkret, vertraulich und auf den Alltag bezogen.